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Freitag, 3. Dezember 2010

Das Prinzip Prozess-Daten-Beschleuniger – Informationspflichten rechtssicher, einfach und effizient erledigen, AG 3

P23R in der AG3

Der Datenaustausch zwischen Wirtschaft und Verwaltung hat eine ökonomisch relevante Dimension. Unternehmen müssen für verschiedenste Zwecke Daten an die Verwaltung übermitteln: Aufgrund nationaler Gesetze und Verordnungen bestehen aktuell über 10.000 Informationspflichten für Unternehmen, was zu jährlichen Bürokratiekosten von über 47 Milliarden Euro auf Seiten der Wirtschaft führt.

Aktuell werden diese Informationspflichten auch innerhalb eines Themenbezugs wie bspw. der Umweltberichterstattung i. d. R. isoliert voneinander betrachtet und bearbeitet. Das führt zu Mehrfachaufwänden und erhöht das Fehlerrisiko.

Darüber hinaus müssen Informationssysteme, die von Unternehmen zur Vorbereitung und Abwicklung von Informationspflichten gegenüber der Verwaltung genutzt werden, mit jeder gesetzlichen Änderung aktualisiert und angepasst werden.
Wegen dieses Aufwands stehen für zahlreiche Berichtsdomänen keine geeigneten Informationssysteme zur Verfügung, den Informationspflichten muss demnach manuell nachgekommen werden.

Das Prinzip Prozess-Daten-Beschleuniger (PDB-Prinzip) beinhaltet zwei zentrale Ansatzpunkte, um sowohl Qualität als auch Effizienz und Effektivität von Prozessen zwischen Wirtschaft und Verwaltung zu verbessern:

  1. Geschäftsvorgänge zwischen Wirtschaft und Verwaltung werden analysiert und nach inhaltlichen und prozessualen Gesichtspunkten systematisch miteinander zu effizienten Prozessketten vernetzt. So können durch einheitliche Aufbereitung der Daten für Berichte und Meldungen unter Nutzung von modularen Regelwerken Synergieeffekte erzielt und die Datenqualität erhöht werden.
  2. Das Prinzip Prozess-Daten-Beschleuniger sieht vor, dass der Transfer gesetzlicher Regelungen in formale Prozessregeln ebenfalls zentral erfolgt, um den Aufwand hierfür sowie für die Sicherstellung der Rechtskonformität zu reduzieren. Alle Nutzer von Informationssystemen, die nach dem PDB-Prinzip arbeiten, erhalten so Zugang zu Regelpaketen verschiedener Gesetzesdomänen sowie zu Aktualisierungen dieser Pakete.

Einheitliche Pflege und Aufbereitung von Berichtsdaten – Prinzip Prozess-Daten-Beschleuniger

Grafische Darstellung der Funktion des ProzessdatenbeschleunigersBild vergrößern

Das PDB-Prinzip beschreibt einerseits methodische Elemente zur Analyse und Gestaltung von Prozessketten als auch eine technische Infrastruktur zur Implementierung entsprechender Lösungen. Es vereinfacht die Kommunikation zwischen Unternehmen und öffentlichen Stellen, ohne in die Datenautonomie der Unternehmen einzugreifen oder zentrale Datenbestände aufzubauen.

Lösungen nach dem Prinzip Prozess-Daten-Beschleuniger können passend für alle Unternehmensgrößen entwickelt und zugeschnitten werden.

Ein wesentlicher Vorteil des PDB-Prinzips ist, dass es sich nicht um ein weiteres Informationssystem handelt, das von Unternehmen für die Abwicklung von Informationspflichten eingeführt werden muss. Das PDB-Infrastrukturkonzept spezifiziert verschiedene Komponenten, um die existierende Lösungen ergänzt oder auf deren Basis neue Lösungen für die Abwicklung von Informationspflichten entwickelt werden können, die sich die Vorteile der einheitlichen Datenpflege und zentralen Regelbelieferung (s. o.) zunutze machen.

Auf Verwaltungsseite entsteht durch die Anwendung des PDB-Prinzips der Vorteil, dass Berichts- und Meldedaten von Unternehmen in hoher Qualität medienbruchfrei geliefert werden können. Im Unterschied zu vielen existierenden Informationssystemen adressiert das PDB-Prinzip gerade auch KMUs, die einen Großteil der Berichtspflichtigen ausmachen. Um das PDB-Prinzip zur Einsatzreife zu entwickeln sowie dessen Praxistauglichkeit zu demonstrieren, wird im Rahmen des IT-Investitionsprogramms der Bundesregierung bis Ende des Jahres 2011 das Projekt Prozess-Daten-Beschleuniger durchgeführt. Ein interdisziplinäres Projektteam bestehend aus Wissenschaft und Praxis entwickelt methodische, organisatorische und technische Grundlagen, um den Paradigmenwechsel bei der Erfüllung von Informations und Meldepflichten zwischen Wirtschaft und Verwaltung einzuleiten.

Neben einer einheitlichen Rahmen- und Sicherheitsarchitektur sowie einer prototypischen Umsetzung des PDB-Prinzips entsteht im Rahmen des Projekts auch ein modularer,zielgruppenorientierter Methodenleitfaden. Er fasst Methodenbausteine zur Analyse und Konsolidierung von Prozessen, zur Anwendung und Konfiguration von Elementen der Rahmenarchitektur sowie zur Gestaltung und Beurteilung von rechtlichen, ökonomischen und Sicherheitsaspekten im Kontext der Implementierung des PDB-Prinzips zusammen.

In ausgewählten Unternehmen und Verwaltungen der Modellregion Metropolregion Rhein-Neckar wird die PDB-Infrastruktur ab Mitte 2011 pilotiert. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse fließen in die Fortentwicklung des Methodenleitfadens, der Architektur und der Spezifikationen zur Implementierung ein.

Ansprechpartner

Referat IT I 3
Bundesministerium des Innern
ITI3@bmi.bund.de

Petra Steffens
Leiterin Business Development E-Government
Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme FOKUS
Kompetenzzentrum E-Government und Applikationen (ELAN)
petra.steffens@fokus.fraunhofer.de

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