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2. Fachkongress des IT-Planungsrats - Keynote

Datum
07. April 2014

Rede der Bundesbeauftragten der Bundesregierung für Informationstechnik Frau Staatssekretärin Cornelia Rogall-Grothe

Foto der Beauftragten der Bundesregierung für Informationstechnik auf dem 2. Fachkongresses des IT-PlanungsratsBild vergrößern Staatssekretärin Cornelia Rogall-Grothe auf dem2. Fachkongresses des IT-Planungsrats Foto: ISIM Rheinland-Pfalz

Keynote von

Staatssekretärin Cornelia Rogall-Grothe

beim 2. Fachkongress des IT-Planungsrats

am 7. April 2014

In diesem Jahr ist das Interesse am Fachkongress des IT-Planungsrats noch größer als im letzten Jahr. Das zeigt mir, dass dieser verwaltungsinterne Prozess offenbar Ihren Bedarf trifft. Es zeigt auch, dass das, was wir im IT-Planungsrat in "kleiner Runde"" diskutieren, für Sie als Entscheider und Praktiker in der Verwaltung interessant und wesentlich ist. IT ist schon längst kein "Exoten-Thema" mehr. Es ist inzwischen in allen Verwaltungsbereichen unverzichtbarerer Bestandteil der täglichen Arbeit - übergreifend in allen fachlichen Bereichen. Das zeigt sich unter anderem daran, dass wir in diesem Jahr die Umweltministerkonferenz als Partner gewinnen konnten.

Seit dem ersten Fachkongress des IT-Planungsrats im Mai 2013 in München hat sich eine Menge getan: Im Sommer 2013 endete die erste Phase der E-Government-Initiative für De-Mail und den Personalausweis, die vom IT-Planungsrat ebenso wie von den kommunalen Spitzenverbänden unterstützt wird. Im ersten Jahr lag der Schwerpunkt auf der Entwicklung von Online-Bürgerdiensten in den wichtigsten Handlungsfeldern. Direkt im Anschluss begann die zweite Phase der Initiative. Diesmal stehen innovative Anwendungen im Vordergrund. Insgesamt wurden bzw. werden 53 Behörden mit 42 eID-Anwendungen und 30 De-Mail-Anwendungen unterstützt.

Im September 2013 haben der Nationale Normenkontrollrat und der IT-Planungsrat den "E-Government-Prüfleitfaden" vorgelegt. Der Leitfaden erlaubt eine systematische Prüfung von Regelungsentwürfen, damit zur Optimierung von Verwaltungsabläufen rechtliche Hindernisse beseitigt und neue technische Möglichkeiten genutzt werden können. In diesem Sinne sollte der Leitfaden zur Verbesserung der Rechtssetzung sowohl im Gesetzgebungsverfahren als zur Vereinfachung bestehender Verwaltungsabläufe zur Anwendung kommen.

Zielgruppen des Leitfadens sind sowohl die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Ministerien des Bundes und der Länder als auch in den Vollzugsbehörden des Bundes, der Länder und der Kommunen. Der Nationale Normenkontrollrat wird den Leitfaden zudem bei der Normprüfung einsetzen.

Der Leitfaden soll zudem einen stärkeren Austausch mit den IT- und Organisationsbereichen vor der Inkraftsetzung neuer Regelungen fördern und dabei helfen, Fachleute aus diesen Bereichen gezielt einzubinden. Ich bin sicher, dass wir durch den Leitfaden am Ende Gesetze und Verordnungen bekommen, die unsere E-Government-Gesetze und auch die Nationale E-Government-Strategie des IT-Planungsrats besser untersetzen.

Im Herbst 2013 ist - als weiterer wichtiger Meilenstein - die "E-Government-Landkarte" ans Netz gegangen, die das Land Berlin für den IT-Planungsrat betreibt. Sie zeigt E-Government-Leistungen "Made in Germany": vom zentralen Dienstleistungsportal für Verwaltungsleistungen in Mecklenburg-Vorpommern im Norden über viele weitere Portale und Einzelprojekte bis zum Bildungsportal "Digitales Lernen Bayern" im Süden. So macht sie Lösungen von Bund, Ländern und Kommunen bekannter.

Im Oktober 2013 haben wir im IT-Planungsrat unsere gemeinsame "e-ID-Strategie" verabschiedet. Damit möchten wir einen Impuls geben, um ein flächendeckendes Angebot von sicheren und gut benutzbaren elektronischen Verfahren zum verlässlichen Umgang mit elektronischen Identiäten zu schaffen. Die technischen Lösungen sind im Prinzip alle da; wir müssen jetzt dafür sorgen, dass dieses von Bürgerinnen, Bürgern, Unternehmen und von der Verwaltung selbst umfassend akzeptiert und genutzt werden. Dies ist in meinen Augen eine der zentralen Aufgaben für die Realsierung einer "Digitalen Verwaltung 2020", auf die ich noch zu sprechen komme.

Der IT-Planungsrat hat im letzten Jahr auch bewusst "über den Tellerrand geblickt". Er hat sich mit der Frage auseinandergesetzt, welche Rolle der föderale Staat bei der Digitalisierung insgesamt einnehmen kann und sollte. Diese Überlegungen waren ein Grund dafür, dass ich gemeinsam mit einigen meiner Kollegen aus den Ländern die Studie "Zukunftspfade Digitales Deutschland" gestartet habe. Unser Ziel war, auf der Grundlage von empirischen Fakten den Handlungsrahmen für eine zukunftsorientierte Digitalisierungspolitik zu bestimmen. Dazu haben wir über 500 Expertinnen und Experten aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung befragt.

Ein wesentliches Ergebnis der Studie war: Der Staat muss eine aktive Rolle bei der Gestaltung der Digitalisierung spielen und sich insbesondere bei den Grundlagenthemen IT-Infrastrukturen, digitale Souveränität sowie IT-Sicherheit und Datenschutz engagiert einbringen. Dies bestätigt einen Trend, der auf einen Paradigmenwechsel der Rolle des Staates hinweist. Während in den letzten Jahren des 20. Jahrhunderts Infrastrukturpolitik vor allem mit Privatisierung gleichgesetzt wurde, wird dem Staat vor dem Hintergrund der zunehmenden Digitalisierung wieder eine stärkere Rolle zugeschrieben. Diese sollten wir gemeinsam aktiv gestalten.

Die befragten Expertinnen und Experten haben auch konkret für uns im IT-Planungsrat wertvolle Anregungen gegeben: Nach Meinung der Experten soll sich der IT-Planungsrat verstärkt den Themen

  • IT-Sicherheit und Datenschutz,
  • ausreichende Infrastruktur und
  • digitale Souveränität der Bürgerinnen und Bürger

widmen. Wir im IT-Planungsrat können diese Ziele zwar nicht eigenständig umfassend verwirklichen, aber wir werden im Bereich der staatlichen IT unseren Beitrag leisten und wollen auch Anstöße an Akteure für andere Bereiche geben.

Der nach der Bundestagswahl im September 2013 geschlossene Koalitionsvertrag ist auch aus Sicht des IT-Planungsrats bemerkenswert. Zum ersten Mal wird auf dieser Ebene ein IT-Gremium namentlich erwähnt! Dem IT-Planungsrat wird eine zentrale Rolle bei der Konsolidierung und Koordinierung der E-Government-Programme von Bund und Ländern zugewiesen. Dieses "Ankommen in der politischen Wahrnehmung" ist für uns im IT-Planungsrat Chance und Herausforderung zugleich. Wir haben mit der Arbeit begonnen.

Im Januar habe ich wieder den Vorsitz im IT-Planungsrat übernommen. In unserer ersten Sitzung im Jahr 2014 haben wir uns im IT-Planungsrat auf drei wesentliche Schwerpunktbereiche geeinigt, die unsere Arbeit in diesem und in den nächsten Jahren wesentlich prägen werden:

Der IT-Planungsrat wird das neue Regierungsprogramm "Digitale Verwaltung 2020" eng begleiten. Ziel des Programms ist zum Einen die effiziente elektronische Verwaltungsarbeit im Bund und ist es zum Anderen, zusammen mit Ländern und Kommunen die wichtigsten Verwaltungsdienstleitungen online so anzubieten, dass sie medienbruchfrei bearbeitet werden können. Hierfür ist es erforderlich, die elektronische Verwaltungsarbeit voranzutreiben: Wir werden dafür einen Aktionsplan E-Akte umsetzen und sichere, schnelle und einfache Lösungen z. B. für ein DE-Mail-Gateway, einen e-ID-Service, elektronische Bezahlsysteme und ein Formularmanagement implementieren.

Mit dem Programm "Digitale Verwaltung 2020" wird das im letzten Jahr in Kraft getretene E-Government-Gesetz des Bundes koordiniert umgesetzt. Die Umsetzung in der Bundesverwaltung reicht aber nicht aus. E-Government findet ja nicht nur auf Bundesebene, sondern auf allen föderalen Ebenen statt. Hier ist, wie im Koalitionsvertrag hervorgehoben wird, der IT-Planungsrat gefragt. Wir brauchen auf allen Ebenen das für den Transformationsprozess zur digitalen Verwaltung notwendige Umdenken. Es wird nicht genügen, die Papierwelt der traditionellen Verwaltungsverfahren elektronisch abzubilden. Wir brauchen neue Wege und Prozesse, um die Möglichkeiten auszuschöpfen. Die hierbei zu meisternden Herausforderungen sind nicht nur technischer Art, sondern in mindestens gleichem Maße organisatorischer und - wenn ich dies so sagen darf - kultureller Natur. Der Wandel von der rein aufgaben- und zuständigkeitsbezogenen Verwaltung zu integrierten Verwaltungsdienstleistungen hat bereits begonnen. Der Einheitliche Ansprechpartner, Bürgerkonten, die Behördenrufnummer 115, mobile Bürgerdienste, Open-Data-Portale und ELSTER als Beispiel für ein elektronisches Fachverfahren verändern schon heute die Verwaltungswirklichkeit nach innen und außen. Hier können wir anknüpfen, wenn wir uns arbeitsteilig der wichtigsten staatlichen Dienstleistungen annehmen, um sie für Bürger und Unternehmen so einfach, zügig und sicher wie möglich anzubieten. Verwaltung muss noch transparenter, noch leichter zugänglich, noch schneller und flexibler werden - entsprechend den Bedürfnissen ihrer "Kunden". Wir haben damit begonnen - wir werden noch entschiedener weitergehen. Dabei muss uns klar sein, dass wir die "digitale Verwaltung" und ein zeitgemäßes E-Government nur erreichen, wenn wir alle Beteiligten einbeziehen:

Grundlage ist der politische Wille, die digitale Verwaltung Wirklichkeit werden zu lassen. Mit den E-Government-Gesetzen des Bundes und zahlreicher Länder ist dieser Wille deutlich zum Ausdruck gekommen.

Für die Umsetzung dieses politischen Willens braucht es Praktiker und Entscheider wie Sie! Ich bin daher froh, dass wir heute und morgen hier beim Fachkongress des IT-Planungsrats über diese Themen diskutieren und die Umsetzung vordenken können. Sie, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Behörden, sind die Wissens- und Leistungsträger der Verwaltung. Der Erfolg hängt wesentlich von Ihrer Motivation und Kompetenz ab. Modernisierungsfortschritte sind ohne das Wissen, die Initiative und das Engagement der Beschäftigten nicht vorstellbar. Ihnen muss die Möglichkeit zur Personalentwicklung, zu lebenslangem Lernen und insbesondere auch zur Aktualisierung der notwendigen (IT-)Kompetenzen gegeben werden. Dies gilt auch und besonders für Führungskräfte! Ich weiß, dass es mitunter noch Scheu vor elektronischem Arbeiten gibt. Wir sollten aber gemeinsam die Chancen erkennen und jetzt die richtigen Impulse zur Digitalisierung zu setzen.

Mir ist bewusst, dass diese Verwaltungsmodernisierung in Zeiten knapper Haushalte vorangetrieben werden muss. Ich weiß von vielen harten Haushaltsverhandlungen, in denen immer wieder Überzeugungsarbeit für den Sinn und Nutzen der digitalen Verwaltung geleistet werden muss. Ich glaube, es ist zu kurzsichtig, im Bereich der IT-Ausgaben nur nach schnellen Einsparmöglichkeiten zu suchen. Ja - es gibt Einsparmöglichkeiten. Ich bin überzeugt davon, dass wir viel zu viel Geld für unnötige Mehrfachentwicklungen ausgeben und Projektmittel effizienter einsetzen können. Eine Kürzung der Mittel nach der "Rasenmähermethode" hilft aber nicht weiter. Wir brauchen Anschubfinanzierungen, um die Modernisierungsprozesse anzustoßen, und wir brauchen auch operative Strukturen, um Projekte umzusetzen und gemeinsame Anwendungen zu betreiben. Das gibt es nicht zum Nulltarif! Aber: Was passiert, wenn nichts passiert? Die Kosten für IT - auf die wir ja im Kern gar nicht mehr verzichten können - würden weiter steigen, aber die Mehrwerte einer vernetzten IT werden nicht erreicht. Im Gegenteil, wir müssten wohl Leistungseinbußen hinnehmen, um die ineffiziente IT weiter finanzieren zu können. Wir alle müssen Überzeugungsarbeit leisten, um die IT-Ausgaben richtig zu steuern, damit nicht dieses Szenario eintritt, sondern die Chancen erschlossen werden.

Schließlich müssen wir bei allen Bemühungen um die Digitalisierung der Verwaltung unsere Kunden - die Bürgerinnen und Bürger und die Unternehmen - im Blick behalten. Je schwieriger der Zugang zu digitalen Angeboten der Verwaltung erscheint, desto weniger werden diese genutzt. Online-Behördengänge müssen daher einen offensichtlichen Vorteil gegenüber Offline-Alternativen bieten. Die Möglichkeiten der orts- und zeitunabhängigen Kommunikation und Transaktion waren etwa in den Vorreiterländern Estland oder Österreich das erfolgreichste "Verkaufsargument" für die digitale Verwaltung. Hiervon sollten wir lernen.

Im Koalitionsvertrag ist vereinbart, eine "Digitale Agenda" für die Jahre 2014 bis 2017 zu beschließen und umzusetzen. Die Agenda soll bis zum Sommer erarbeitet werden und einen Rahmen für das Handeln aller Ressorts der Bundesregierung bei der Digitalisierung aller Lebens- und Wirtschaftsbereiche schaffen. Sie ist der zweite Schwerpunktbereich des IT-Planungsrats für 2014, denn Impulse aus föderaler Sicht sind für den Erfolg dieses ambitionierten Programms unerlässlich.

Die genauen Inhalte der Digitalen Agenda werden in den nächsten Monaten erarbeitet. Dabei werden neben der föderalen Diskussion auch Vertreter aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft, Wissenschaft und der Tarifpartner eng in den Prozess eingebunden. So stellen wir sicher, dass wir frühzeitig Herausforderungen erkennen und gestaltend handeln können. Indem wir die Digitale Agenda als einen offenen Prozess verstehen, werden wir der technologischen Entwicklung besser gerecht. So offen wie die technologisch getriebene gesellschaftliche Entwicklungen von morgen sein werden, so offen und flexibel müssen auch unsere Antworten darauf sein.

Auf der CeBIT haben die Bundesminister de Maizière, Gabriel und Dobrindt die Eckpunkte der Digitalen Agenda vorgestellt. Sie umfasst Handlungsfelder wie

  • den Ausbau digitaler Infrastrukturen,
  • die Förderung der IKT-Wirtschaft,
  • den Ausbau innovativer staatlicher Leistungen
  • die Auswirkungen des technologischen Fortschritts für das gesellschaftliche Miteinander,
  • Forschung und Bildung und
  • Vertrauen, Schutz und Sicherheit.

Wichtig ist mir, dass wir stärker zu einer digitalen Bürgergesellschaft zusammenwachsen, die gemeinsames Handeln in den Vordergrund stellt. Dazu gehört auch eine Anerkennung und Förderung digitalen Engagements der Bevölkerung. Ich denke etwa an die unentgeltliche Mitwirkung vieler Menschen in Online-Wissenbörsen und Nachschlagewerken oder bei Open Source- Initiativen. Aber auch bestehendes ehrenamtliches Engagement kann von einer Nutzung digitaler Möglichkeiten profitieren. Das haben wir eindrucksvoll beim letzten Hochwasser erlebt, als Menschen über das Internet Hilfsleistungen koordiniert haben. Solche Chancen der Digitalisierung müssen wir überall aktiv nutzen.

Der IT-Planungsrat wird bei der Umsetzung der Digitalen Agenda eine wichtige Rolle spielen. Gemeinsam werden wir die Themenbezüge zu Ländern und Kommunen herausarbeiten und dann durch IT-Planungsrat koordiniert umsetzen.

Eins muss uns klar sein: Die Digitale Verwaltung kann nur dann funktionieren, wenn Informationssicherheit und sicheres Handeln im Netz gewährleistet sind. Das ist das dritte Schwerpunktthema des IT-Planungsrats für 2014. Im vergangenen Jahr haben wir die Leitlinie Informationssicherheit für die öffentliche Verwaltung verabschiedet und mit deren Umsetzung begonnen. Die immer wieder neuen Diskussionen um Schwachstellen und Angriffe zeigen, dass wir in diesem zentralen Themenbereich nicht nachlassen dürfen, sondern im Gegenteil unsere Anstrengungen weiter verstärken müssen. Die Gewährleistung von sicherer Regierungskommunikation hat – wie wir alle spüren – durch die NSA-Debatte eine noch höhere Bedeutung gewonnen. Die Umsetzung der Leitlinie, die weitere Verbesserung der Informationssicherheit insb. auch im Bereich der mobilen Sicherheit, eine engere Zusammenarbeit in der eingerichteten Arbeitsgruppe Informationssicherheit und der Austausch von Informationen zu Schwachstellen und Sicherheitslücken im Verwaltungs-CERT-Verbund werden weiterhin Schwerpunkte unserer Arbeit sein.

Als Teil einer vernetzten Welt sind wir alle auf das verlässliche Funktionieren der Informations- und Kommunikationstechnik sowie des Internets angewiesen. Der Ausfall dieser Strukturen kann zu erheblichen Beeinträchtigungen unserer wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Grundlagen führen. Denken Sie nur an die jüngsten Hackerangriffe auf US-amerikanische Medienkonzerne, die große Nachrichtenseiten für mehrere Stunden unerreichbar machten. Dies mag für die meisten von uns hinnehmbar erscheinen. Was passiert aber, wenn sich solche Hackerangriffe nicht gegen Nachrichtenseiten, sondern gegen Energie- oder Wasserversorger richten? Der Gewährleistung von Infrastrukturen, die heute nur noch über den "Cyber-Raum" organisiert werden können, kommt daher eine hohe politische Priorität zu, die wir mit einem hohen Engagement des Staates verbinden müssen.

Die Bundesregierung hat deshalb im Februar 2011 ihre Cyber-Sicherheitsstrategie vorgestellt. Mit ihr konkretisieren wir die Rahmenbedingungen für einen sicheren Cyberraum. Wir haben hierfür viel Anerkennung erfahren, auch international. Die Entwicklung der letzten drei Jahre hat mir gezeigt, dass unsere Cyber-Sicherheitsstrategie den richtigen Ansatz verfolgt. Wir werden deshalb die definierten Maßnahmen weiterhin entschlossen umsetzen.

Mit der Menge an Daten und ihrer Qualität wachsen natürlich auch die Anreize für Angriffe aus dem Cyberspace. Der Diebstahl großer Datenbanken oder auch nur deren Manipulation können großen wirtschaftlichen Schaden anrichten. Cyberangriffe machen auch nicht vor Verwaltungsgrenzen halt. Wir werden uns deshalb im IT-Planungsrat weiter dafür einsetzen, dass die Gewährleistung der IT-Sicherheit föderal einheitlich den notwendigen hohen Stellenwert bekommt.

Der Staat muss seine Bürgerinnen und Bürger bei ihrem alltäglichen Handeln im Netz besser schützen und die Bedingungen dafür schaffen, dass sie sich selbst besser schützen können. Gerade die Ereignisse und Diskussionen der letzten Monate dürften wohl jeden Zweifel an der Bedeutung dieses Themas beseitigt haben. Neben bereits bestehenden Sicherheitsinfrastrukturen wie der elektronischen Identitätsfunktion des Neuen Personalausweises und De-Mail sind im Rahmen der vom IT-Planungsrat beschlossenen eID-Strategie weitere Maßnahmen wie ein digitales Bürgerkonto oder bessere Verschlüsselungsinstrumente zu entwickeln. Bund und Länder müssen aus meiner Sicht zusammenwirken, wenn es darum geht, die Bevölkerung hinsichtlich der Gefahren im Netz zu sensibilisieren und sie über Möglichkeiten und Instrumente zum Schutz im Netz zu informieren.

Gerade im Bereich der IT-Sicherheit brauchen wir sowohl langfristig wirkende Strategien als auch die flexible Reaktion auf aktuelle Sicherheitsvorfälle und neue Szenarien. Seit letztem Jahr können wir auch in der Tagespresse regelmäßig Berichte über von Geheimdiensten ausgespähte mobile Telefonate von Regierungsmitgliedern lesen. Auch wenn sich das öffentliche Interesse stark auf Mitglieder der Bundesregierung konzentriert, scheint es doch evident, dass auch Landesregierungen und sicherheitskritische Bereiche in allen Verwaltungsebenen ebenfalls im Blickfeld stehen dürften. Gute und handhabbare mobile Lösungen, die die mobile Daten- und Sprachkommunikation verschlüsseln, sind inzwischen verfügbar – und vom BSI für eine Kommunikation bis "VS-NfD" zugelassen. Offenkundig werden diese aber noch nicht überall in ausreichendem Maße genutzt. Dabei scheint es mir im Kern nicht so sehr an der Sensibilisierung zu fehlen, sondern vielmehr an Standards, die gewährleisten, dass die verschlüsselten Telefonate unter allen Beteiligten mit der notwendigen Sicherheit so einfach und verlässlich geführt werden können wie normale Telefonate. Dies ist ein mustergültiger Anwendungsfall für die Festlegung eines verbindlichen IT-Sicherheitsstandards übergreifend für Bund und Länder. Hierfür hat der IT-Planungsrat ein grundgesetzliches Mandat. Wir müssen und wollen dies nutzen! Deshalb haben wir in unserer letzten Sitzung vereinbart, dass wir nach entsprechenden fachlichen Vorarbeiten noch in diesem Jahr die notwendigen Standards zur Beschlussfassung vorlegen wollen. Ich bin zuversichtlich, dass wir im IT-Planungsrat zielführende Lösungen finden werden und dadurch unter Beweis stellen, dass dieses Gremium auch und gerade in Sicherheitsfragen die Handlungsfähigkeit der öffentlichen Verwaltung in Deutschland verbessern wird.

In vier Jahren IT-Planungsrat haben wir Erfahrungen in der föderalen IT-Kooperation sammeln können. Viele davon sind positiv und ermutigend. Es zeigt sich aber auch immer deutlicher, dass wir für eine kontinuierliche IT-Planung im föderalen Kontext weitere Anstrengungen ergreifen müssen. Der IT-Planungsrat hat eine Arbeitsgruppe unter gemeinsamer Federführung des Bundes und des Freistaates Bayern eingerichtet, um hierfür ein Konzept vorzulegen. Dies ist aus meiner Sicht - im Kontext mit weiteren strukturellen Maßnahmen - ein ganz wesentlicher Baustein für eine zukünftig gute und leistungsfähige Aufstellung des IT-Planungsrats.

So wie wir auf der Ebene des Bundes die IT-Konsolidierung vorantreiben, müssen wir uns auch überlegen, wie wir die föderalen IT-Infrastrukturen ausbauen und modernisieren. Eine effiziente öffentliche Verwaltung hängt wesentlich von leistungsfähigen föderalen IT-Systemen ab. Wir stehen einer größer werdenden technischen Komplexität der Systeme gegenüber. Diese Komplexität betrifft ihren Einsatz genauso wie ihre Absicherung. Dies alles vor dem Hintergrund eines härter werdenden Wettbewerbs um gut ausgebildete IT-Fachkräfte. Wir müssen deshalb unsere Zusammenarbeit bei föderalen IT-Infrastrukturen weiter vertiefen. Dazu gehört auch ein starker operativer Arm. Für mich ist dies eine unmittelbar aus der Verankerung der IT-Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern in Artikel 91c des Grundgesetzes erwachsende Verpflichtung. Dieser müssen wir gerecht werden.

Es liegt jetzt an uns, die notwendigen organisatorischen Strukturen für die gemeinschaftliche Entwicklung, den Betrieb und die Nutzung der IT-Systeme zu schaffen. Gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen im IT-Planungsrat beschäftigen mich derzeit die Fragen rund um die strategische Neuausrichtung der föderalen IT-Infrastruktur sehr intensiv. Im Mittelpunkt des zu entwickelnden Gesamtbilds einer föderalen IT-Landschaft - seiner Architektur, wenn Sie so wollen - steht die gemeinschaftliche Nutzung von IT-Kompetenzen und Strukturen. Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile - dieses sollte unser Leitbild sein. Dieser partnerschaftliche Ansatz wird nicht zu zentralistischen Strukturen führen. Vielmehr eröffnet es den beteiligten Partnern Spielräume, bestimmte Themen voranzubringen denen andere später folgen können. Die dafür notwendigen Strukturen werden wir jetzt schaffen.

Es gibt viel zu tun. Lassen Sie uns gleich damit anfangen. Die Bedingungen hier sind nahezu ideal - Laut seiner Website ist Baden-Württemberg

  • erfolgreich,
  • nachhaltig,
  • schlau,
  • bürgernah,
  • gerecht,
  • schön und
  • aktiv.

Das sind doch beste Voraussetzungen für einen Fachkongress hier in Stuttgart, denn alle diese Eigenschaften sollten auch uns als Teilnehmerinnen und Teilnehmern in den Präsentationen, den vorgestellten Projekten den Workshops und nicht zuletzt auch im persönlichen Gespräch beflügeln.

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