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Green-IT Best Practice Award 2010 verliehen

Datum
03. November 2010

- Es gilt das gesprochene Wort –

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich freue mich, Sie zur Verleihung des "Green-IT Best Practice Award 2010" begrüßen zu dürfen.

Insgesamt haben sich über 80 Unternehmen, Institutionen und öffentliche Verwaltungen an diesem Wettbewerb beteiligt. Die hohe Teilnehmerzahl ist ein Beleg für die innovative Kraft, die in Green-IT steckt. Die heutige Preisverleihung stellt daher nicht nur den Höhepunkt des heutigen Tages dar, sondern ist auch ein deutliches Ausrufezeichen für den Green-IT-Standort in Deutschland.

Ich möchte an dieser Stelle allen Bewerbern danken und Sie ermuntern, mit Ihren Ideen die energieeffiziente Modernisierung der Informationstechnik in Deutschland weiter zu stärken. Als Schirmherrin des "Green-IT Best Practice Award 2010" möchte ich mich auch sehr herzlich bei der fünfköpfigen Jury bedanken, die die schwierige Aufgabe übernommen hat, die Gewinner in den verschiedenen Kategorien auszuwählen.

Bevor ich gemeinsam mit dem Jurypräsidenten, Herrn Dr. Popp von der Deutschen Luft- und Raumfahrt, die Preise verleihen werde, möchte ich den Blick auf die Potentiale und die Bedeutung von Green-IT richten und auf die aus meiner Sicht notwendigen Handlungsfelder in den nächsten Jahren eingehen, dabei möchte ich Ihnen die Fortschritte unserer Green-IT-Initiative im Bund vorstellen.

Warum ist Green-IT ein bedeutendes Thema für die Gegenwart und für die Zukunft? Um diese Frage zu beantworten, müssen wir uns bewusst machen, dass Informationstechnik schon heute sämtliche Lebensbereiche durchdringt und unser Leben erleichtert und vereinfacht. Wir können uns eine Welt ohne IT nicht mehr vorstellen. IT ist Motor für Modernisierung und Fortschritt und hat Verwaltung, Wirtschaft und Gesellschaft revolutioniert.

Wir dürfen aber nicht vergessen, dass diese Entwicklung dazu führt, dass die Nutzung von IT zu einem immer größeren Anteil am gesamten Energieverbrauch führt. Forschungsinstitute gehen davon aus, dass die gesamte IT gegenwärtig mehr als 10 Prozent des Gesamtstromverbrauchs in Deutschland ausmacht. Ob dieser Energieverbrauch zukünftig weiter steigt oder stagniert, ist umstritten. Dies liegt daran, dass IT-Produkte trotz besserer Energieeffizienz immer leistungsfähiger werden. Ein wachsender Gerätebestand und kürzere Produktlebenszyklen forcieren den Ressourcenbedarf.

Wir wissen auch, dass der Energie- und Ressourcenverbrauch im globalen Maßstab wächst und gleichzeitig die zur Verfügung stehenden Rohstoffe immer knapper werden. Die Lösung dieses Dilemmas gehört zu den zentralen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Hinzu kommen die negativen Auswirkungen des Klimawandels, die in vielen Regionen dieser Erde bereits erkennbar sind und bedrohlich wirken.

Ohne Missverständnisse an dieser Stelle aufkommen zu lassen: Green-IT ist gewiss nicht der Schlüssel, um all diesen Herausforderungen zu entgegnen. Mit Green-IT verfügen wir aber über einen wichtigen Teil der Lösung. Bei unseren Entscheidungen müssen wir uns dies stets vor Augen führen. Und was noch viel wichtiger ist: Wir müssen die Bedeutung von Green-IT noch stärker ins Bewusstsein des Verbrauchers rücken und für unsere Ideen werben.

Mir ist auch wichtig, dass wir Prognosen nicht als "in Stein gemeißelt" ansehen. Vielmehr sollten wir diese zum Anlass nehmen, um die Zukunft in unserem Sinne zu beeinflussen. Hierzu müssen wir dem energieeffizienten Betrieb von IT langfristig und nachhaltig die gebührende Bedeutung beimessen. Es geht darum, dass die zur Verfügung stehenden Ressourcen so sparsam wie möglich bei der Herstellung von IT-Lösungen eingesetzt werden. Hierzu brauchen wir Vorbildlösungen und innovative Ideen. In diesem Sinne leistet der "Green-IT Best Practice Award" einen wertvollen Beitrag.

Die Bedeutung von Green-IT wird auch aus einem weiteren Blickwinkel deutlich: Grüne IT-Technologien besitzen ein enormes wirtschaftliches Potential. Auf dem anstehenden Fünften IT-Gipfel in Dresden Anfang Dezember wird das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie den „Monitoring Report Deutschland Digital“ vorstellen. In diesem werden die wirtschaftlichen Potentiale von Green-IT errechnet. Auch wenn das Dokument erst in wenigen Wochen offiziell bekannt gegeben wird, kann ich schon so viel vorwegnehmen: Green-IT zählt in den nächsten Jahren zu den wichtigsten Wachstumsmärkten im IKT-Bereich in Deutschland. Sowohl Lösungen im Bereich "grün in der IT" als auch bei "grün durch IT" weisen beeindruckende Wachstumszahlen im zweistelligen Bereich auf.

Welche Schlussfolgerungen müssen wir daraus ziehen?

Bei der Ausbildung von IT-Fachkräften muss Green-IT eine wichtige Rolle spielen. Auch in Forschung und Entwicklung muss Green-IT noch stärker verankert werden. Im Endeffekt geht für uns in Deutschland darum, die sich bietenden Potentiale zu nutzen und eine Spitzenposition im Bereich Green-IT einzunehmen.

Wir wollen als Bundesverwaltung mit gutem Beispiel vorangehen. Die etablierten Prozesse und Strukturen der IT-Steuerung des Bundes waren und sind die Grundlage für eine Green-IT-Initiative, die in dieser Form zu den umfangreichsten und ambitioniertesten ihrer Art gehört. Vor genau zwei Jahren hat der Rat der IT-Beauftragten beschlossen, bis 2013 den Energieverbrauch der Informations- und Kommunikationstechnik um 40 % zu reduzieren. Dieses Ziel ist für alle Bundesbehörden verbindlich.

Wir wissen, dass dieses Ziel anspruchsvoll ist. Unsere Erfahrungen zeigen uns aber auch, dass ein klares und ambitioniertes Ziel vor Augen viele Kräfte freisetzen kann. Ohne das vom Rat der IT-Beauftragten beschlossene Ziel gäbe es keine umfangreichen Messungen in den Rechenzentren des Bundes und an den Arbeitsplätzen der Mitarbeiter. Ohne diese Messungen gäbe es kein Bewusstsein, wo der Energieverbrauch entsteht und wo gerade Einsparpotentiale bestehen und genutzt werden können. Kontinuierliche Messungen sind nach unserer Erfahrung die entscheidende Antriebsfeder für Green-IT.
Deshalb appelliere ich auch an die Vertreter der Wirtschaft: Formulieren Sie auch klare Ziele! Der Bund steht mit seinen Erfahrungen für einen Austausch bereit. Die Vernetzung zwischen Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft im Rahmen der Green-IT-Allianz bietet sich als sehr gutes Forum hierfür an.

2009 – dem ersten Jahr unserer Initiative – verzeichneten wir einen gesamten Stromverbrauch im IT-Bereich von ca. 570 Mio. kWh. Dieser teilte sich jeweils zur Hälfte auf den Arbeitsplatzbereich und auf die Rechenzentren des Bundes auf. Wir konnten damit bereits 14,2 Prozent gegenüber den Vorjahren einsparen. Zur Erläuterung: Wir haben einen Basiswert festgelegt, der sich aus dem Stromverbrauch des Jahres 2009 unter Berücksichtigung bereits vor 2009 erbrachter Einsparungen zusammensetzt. Dadurch ist gewährleistet, dass auch die Behörden nicht "bestraft" werden, wenn sie schon frühzeitig auf Green-IT gesetzt haben.

Diese Zahlen sind erfreulich und zeigen, dass unsere Anstrengungen wirken. Auch in diesem Jahr rechnen wir mit einer weiteren spürbaren Senkung des IT-Stromverbrauchs im Bund. Insbesondere erwarten wir Impulse durch das IT-Investitionsprogramm, bei dem Green-IT einen Schwerpunkt bildet. Insgesamt fördern wir fast 90 verschiedene Green-IT-Maßnahmen mit einem Gesamtvolumen von ca. 83 Mio. €.

Ein Projekt möchte ich an dieser Stelle näher vorstellen: Das Kompetenz- und Musterrechenzentrum im Bundesverwaltungsamt in Köln.

Herausforderung der Green-IT-Initiative des Bundes ist, dass wir nicht auf einer grünen Wiese planen können, sondern auf einer entwickelten IT-Landschaft aufsetzen. Wenn wir unser Einsparziel erfüllen wollen, müssen wir somit die vorhandene IT-Struktur energieeffizient weiterentwickeln. Für das Bestandsrechenzentrum im Bundesverwaltungsamt in Köln setzen wir dies exemplarisch um: Aus einem bestehenden Rechenzentrum wird ein "grünes" Musterrechenzentrum. Energieeffiziente Lösungen werden dabei gezielt erprobt und eingesetzt. Das dabei entwickelte Vorgehen kann in Zukunft universell eingesetzt werden. Dieses Vorgehensmodell wird Ihnen von den Kollegen des Bundesverwaltungsamts heute Nachmittag vorgestellt.

Die im Rahmen des Projekts "Musterrechenzentrum" gewonnenen Erkenntnisse werden parallel in einem Kompetenzzentrum so aufbereitet, dass sie der Bundesverwaltung zur Verfügung stehen. Das Kompetenzzentrum ist ebenfalls im Bundesverwaltungsamt angesiedelt und unterstützt die Bundesbehörden gezielt bei Green-IT-Projekten. Die Bilanz kann sich sehen lassen: Bei nahezu 40 Bundesbehörden hat das Kompetenzzentrum seine Expertise in konkreten Green-IT-Projekten eingebracht. Verschiedene Leitfäden wurden erstellt, die auf der Internetseite des Bundesverwaltungsamtes abgerufen werden können. In Kürze ist die Veröffentlichung eines Leitfades zur energieeffizienten Gestaltung von Serverräumen geplant. Das Bundesverwaltungsamt übernimmt damit eine tragende Rolle im Rahmen unserer Green-IT-Initiative.

In diesem Zusammenhang möchte ich erwähnen, dass mit der IT-Steuerung Bund eine Konsolidierung der IT-Leistungserbringung durch IT-Dienstleistungszentren vorgesehen ist. Dies wird die Effizienz der IT-Leistungserbringung erhöhen und somit den Energieverbrauch positiv beeinflussen. Wir prüfen auch den Einsatz von Cloud Computing in der Bundesverwaltung. Hier erwarte ich eine weitere Steigerung der Effizienz, die letztendlich zu einer energiesparsameren IT führen wird.

Die bisherigen Erfolge und Fortschritte geben uns Vertrauen auf dem weiteren Weg der Zielerreichung. Und doch gibt es noch Handlungsbedarf, den ich benennen möchte.

Ich stelle bei der Akzeptanz von Green-IT nicht nur innerhalb der Bundesverwaltung verschiedene Geschwindigkeiten fest. Während die Notwendigkeit und Potentiale von Green-IT in Expertenrunden längst erkannt worden sind und die konkrete Umsetzung von grünen IT-Lösungen im Vordergrund steht, haben wir andere Gruppen bisher vernachlässigt. Wenn wir Erfolg haben wollen, können wir nicht nur auf technische Lösungen setzen. Wir müssen die Mitarbeiter mitnehmen. Wir müssen die Beschaffer für das Thema gewinnen. Und insbesondere müssen Führungskräfte und IT-Entscheider als verlässliche Multiplikatoren und Treiber von Green-IT in einer Organisation fungieren.

Auf Bundesebene werden wir im nächsten Jahr die von mir genannten Adressaten gezielt ansprechen und eine breit angelegte Sensibilisierungskampagne durchführen. Die Bundesakademie für öffentliche Verwaltung wird ihr Schulungsangebot um Green-IT-Module ergänzen und eine Lernplattform als E-Learning-Tool entwickeln. In meiner Verantwortung als Beauftragte der Bundesregierung für Informationstechnik wird ein Newsletter mit aktuellen Themen und Interviews im nächsten Jahr viermal erscheinen. Dieser kann von jedermann im Internet abgerufen werden. Vorgesehen ist außerdem ein zweiter Green-IT-Tag der Bundesverwaltung, der zum Ende des nächsten Jahres stattfinden soll. Hier werden wir wieder herausragende Projekte prämieren. Ich bin sicher, dass diese Initiativen weitere Impulse freisetzen und den energieeffizienten Einsatz von IT in der Bundesverwaltung vorantreiben werden.

Wir werden auch unsere Anstrengungen im Forschungsbereich intensivieren. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie hat in diesem Jahr mit der Initiative "it2green" hier bereits für einen großen Schritt nach vorn gesorgt. Als Bundesverwaltung sind wir auf die Lösungen sehr gespannt, die hier entwickelt werden.

Nachholbedarf gibt es bei der Weiterentwicklung von Standards und Benchmarks. Dies ist ein wichtiges Handlungsfeld, das wir nicht vernachlässigen dürfen. So weist der PUE-Wert als gängigste Kennzahl für die Energieeffizienz von Rechenzentren derzeit einige Schwächen auf. Beispielsweise fehlt es an einer wissenschaftlichen Methodik, um die durch Fernwärme betriebene Klimatisierung bei der Bestimmung des Wirkungsgrads eines Rechenzentrums zu berücksichtigen. Das Bundesministerium des Innern hat hierzu eine Forschungsstudie ausgeschrieben und wird voraussichtlich Ende des Jahres den Zuschlag erteilen.

Die Weiterentwicklung von Standards und Benchmarks ist wichtig, insbesondere wenn es auch um Zertifizierungen geht. Auch hier rufe ich dazu auf, weiterzuarbeiten und die notwendigen Schritte einzuleiten.

Zu guter Letzt möchte ich noch auf einen weiteren Aspekt hinweisen, welcher eine Handlungserwartung an die Hersteller beinhaltet. Ich hatte es ganz zum Anfang schon einmal erwähnt: Viele IT-Produkte werden zwar immer energieeffizienter, aber nicht unbedingt energiesparsamer. Dies liegt an der immer besseren Leistungsfähigkeit. Wir haben innerhalb der Bundesverwaltung oft diese Erfahrung machen müssen. Es besteht Bedarf an energiesparsameren Produkten, damit der Einsparungseffekt nicht durch höhere Leistungen egalisiert oder sogar unterminiert wird.

Ich bin zuversichtlich, dass wir diese Herausforderungen meistern werden. Führen Sie sich aber immer vor Augen, dass unsere Aufgabe niemals abgeschlossen sein wird. Technologischer Wandel endet nicht. Wandel bedeutet stetige Anpassung und Veränderung – dies gilt sowohl für die Wirtschaft als auch für die Verwaltung.

Wir tragen nicht zuletzt die Verantwortung für unsere nachkommenden Generationen. Der schonende und energieeffiziente Umgang mit unseren Ressourcen ist unsere Daueraufgabe. Green-IT leistet dazu einen wichtigen Beitrag!

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit

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